In Külz kommt Glaube in Bewegung


Külz: Über 100 Besucherinnen und Besucher kamen am Sonntag zur Eröffnung der neuen KonRADWEG‑Kapelle in Külz – viele von ihnen stilecht in Fahrradkleidung und mit Helm unter dem Arm. Bei herrlichem Wetter wurde schnell spürbar, dass diese Kapelle mehr ist als ein kleines Gebäude am Wegesrand. Sie ist ein Versuch, Glaube und Bewegung, Spiritualität und Alltag, Radfahren und Lebensweg miteinander zu verbinden, und schon der Auftakt machte deutlich, wohin die Reise gehen sollte.
Der Gottesdienst begann mit der legendären Fahrrad‑Hymne „I want to ride my bicycle“ von Queen – ein fröhlicher, augenzwinkernder Einstieg.
Diakon Franz Jahn, seine Ehefrau Pia, Pater Varun und Ursula Meinhard am Keyboard gestalteten die Eröffnungsandacht gemeinsam und schufen eine Atmosphäre, die leicht und zugleich tiefgründig war. Bewegung wurde zum Leitmotiv, als Diakon Jahn die Frage stellte, ob uns unser Glaube eigentlich noch bewegt, und darauf hinwies, dass selbst das Kreuzzeichen eine kleine, aber bedeutsame Bewegung ist, die Kopf, Herz und Schultern berührt. Die Stirn steht für unsere Gedanken, die Körpermitte für die Gefühle, die wir mitbringen, und die Schultern für die Lasten, die uns im Alltag bedrücken. An diese Deutung knüpfte Pia Jahn mit ihrem Impuls an, in dem sie den Glauben mit dem Fahrradfahren verglich: Man müsse in Bewegung bleiben, sagte sie, denn ein Fahrrad halte nur die Balance, wenn es fährt – und genauso könnten auch wir nur aufrecht bleiben, wenn wir weitergehen.

In der Predigt griff Diakon Jahn dann eine Zeile aus Herbert Grönemeyers „Bochum“ auf: „Du bist keine Schönheit.“ Ein humorvoller Bezug auf die St.-Konrad‑Kapelle, die von außen eher unscheinbar wirkt – so unscheinbar, dass viele alteingesessene Hunsrücker gar nicht wussten, dass es sie gibt. Ein kurzer Rückblick führte in die Zeit ihrer Entstehung: Die Menschen waren dankbar, dass der Krieg vorbei war, und zugleich voller Angst vor dem, was kommen würde. Sie trauerten um Gefallene – exemplarisch wurde ein junger Mann genannt, der mit nur 18 Jahren erschossen wurde, weil er fahnenflüchtig war. Auch Wut gehörte damals dazu. „Glaube ist raumzeitlos“, so Jahn, denn seit Jahrhunderten beten Menschen zum gleichen Gott – in Freude, in Angst, in Wut und in Hoffnung.
Von dort spannte sich der Bogen zur Lebensgeschichte des heiligen Konrad von Parzham, nach dem die Kapelle benannt ist. Konrad war Laienbruder und stand über 40 Jahre lang als Pförtner in Altötting an der Tür – ein Mensch, der einfach da war für jene, die vorbeikamen. „Heilig sein bedeute nicht Perfektion“, so Jahn, sondern: „Der Glaube an Jesus Christus ist mein Heil.“ Dieses Bild des Daseins für andere passt wunderbar zur neuen Radwegkapelle, die ebenfalls ein Ort sein möchte, an dem Menschen auf ihrem Weg innehalten können.

Wie befreiend Bewegung sein kann, erzählte Diakon Jahn aus eigener Erfahrung: Als Krankenhausseelsorger fuhr er oft mit dem Fahrrad zum Krankenhaus und erlebte, wie gut es tut, beim Fahren den Alltag loszulassen. Auch Konrad selbst legte bis zu 40 Kilometer zu Fuß zurück, um Gottesdienste zu besuchen. Die Kapelle soll genau das ermöglichen – loslassen, zur Ruhe kommen, neue Perspektiven finden. Dazu passten die Fürbitten, die typische Fahrradsymbole aufgriffen und sie auf kreative Weise mit dem Glauben verbanden. Der Helm stand für den Schutz aller, die unterwegs sind, der Akku erinnerte daran, wie wichtig es ist, im Alltag Kraft zu tanken, die Fahrradpumpe wurde zum Bild für den Heiligen Geist, der den Gemeinden neuen Aufwind schenken möge, und die Wasserflasche verwies auf Jesus als das Wasser des Lebens, das unseren Durst dauerhaft stillt. Die Bibel schließlich führte zurück zum Schöpfungsbericht und machte deutlich, dass die Bewahrung der Schöpfung von Anfang an zum Kern unseres Glaubens gehört.

Am Ende dankten Franz und Pia Jahn den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern, ohne die die Radwegkapelle nicht möglich gewesen wäre. Stefan Godderis vom Leitungsteam des Pastoralen Raumes Simmern überbrachte die besten Wünsche. Den Schlusssegen spendeten sich die Gläubigen gegenseitig.
Viele Besucherinnen und Besucher blieben anschließend noch auf dem Außengelände, kamen ins Gespräch oder besichtigten die kleine Ausstellung in der Kapelle zum Thema Glaube und Radfahren. Es war ein Nachmittag voller Leichtigkeit, Tiefe und Gemeinschaft – ganz im Sinne des neuen spirituellen Wegpunkts in Külz.

Zum Abschluss des Tages zogen Pia und Franz Jahn ein durchweg positives Resümee: „Wir sind gespannt auf die vielen Begegnungen und Gespräche in den kommenden Wochen und Monaten. Wir fragen nicht nach Konfession oder Glauben der Besucherinnen und Besucher – wir sind einfach da für die Menschen, so wie es der Heilige Konrad von Parzham vorgelebt hat.“
Die KonRADWEG-Kapelle ist ab sofort bis zum 4. Oktober jeweils samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Unter der Woche öffnet sie nach Bedarf. Auf Wunsch gibt es auch Kirchenführungen für Gruppen ab 8 Personen.
Mehr Informationen zur KonRADWEG-Kapelle gibt es bei Diakon Franz Jahn unter der Mobilnummer 0178/1008433 oder auf der Homepage der Pfarrei St. Lydia: www.st-lydia.de
