Ein Hahnenschrei als Aufbruchsignal

Lokales Team Rayerschied feiert mit vielen Gläubigen Kirmesgottesdienst in Benzweiler

Benzweiler: Kirmesgottesdienste sind an sich nichts Ungewöhnliches – steckt doch schon im Wort „Kirmes“ die Verbindung von Kirche und Messe, der Erinnerung an die Weihe einer Kirche. Normalerweise läuft es so: Der Veranstalter fragt bei den beiden großen Kirchen an, und zwei Hauptamtliche gestalten gemeinsam mit einigen Ortsbewohnern einen festlichen Gottesdienst.
In Benzweiler jedoch war vieles anders. Hier kam die Initiative nicht von außen, sondern aus der Mitte des Dorfes. Das lokale Team Rayerschied, trat an den Veranstalter heran und fragte, ob man am Sonntagmorgen einen Gottesdienst feiern könne. Nicht, weil „man das halt so macht“, sondern aus einer klaren Haltung heraus. „Wir wollen den Menschen dort begegnen, wo das Leben spielt und dort die Frohe Botschaft des Evangeliums verkünden“, betonte Ulrike Nerkamp vom lokalen Team.

Und so erlebte Benzweiler am Sonntagmorgen einen Kirmesgottesdienst, der weit über das Dorf hinaus für Gesprächsstoff sorgt. Modern, mutig, warmherzig – und getragen von einem lokalen Team, das gezeigt hat, wie Kirche heute klingen kann, wenn Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen. Kein Hauptamtlicher, keine klassische Liturgie, kein „so macht man das immer“ – stattdessen ein Gottesdienst, der mitten ins Leben traf.
Schon der Einstieg machte klar, dass dieser Morgen anders werden würde: Das Kirmeszelt als Kirchenraum, Menschen an Bierzeltgarnituren, die musikalische Begleitung des Gottesdienstes unter der Leitung von Andrea Jansen und Rolf-Josef Zehe am Keyboard, die nicht nur begleitet, sondern getragen hat. Und mittendrin ein Hahn, der an diesem Tag mehr war als ein Tier im Wappen – er wurde zum Symbol, zum roten Faden, zum Spiegel für das Evangelium und für das eigene Leben.
Ein Gottesdienst der erzählte - und berührte
Die Predigt, vorgetragen von Markus Koch, nahm die bekannte Szene des Petrus auf, der Jesus verleugnet – und den Hahnenschrei, der ihn wachrüttelt. Doch statt moralischer Schwere entstand ein Moment echter Nähe:
Wie oft verlieren wir Mut? Wie oft sagen wir nicht, was wir eigentlich sagen wollten? Wie oft stehen wir uns selbst im Weg? Der Hahn wurde zum Bild für das Erinnern, das Aufstehen, das Weitergehen. Viele Besucherinnen und Besucher sagten später, sie hätten sich „selten so direkt angesprochen“ gefühlt
"Das war Zeitenwende"
Eine Kirchenbesucherin brachte es nach dem Gottesdienst auf den Punkt: „Das war eine Zeitenwende.“ Gemeint war nicht ein Bruch mit Tradition, sondern ein Aufbruch: Kirche, die aus der Mitte der Menschen entsteht. Kirche, die Mut macht. Kirche, die Zukunft hat.

Nach dem Schlusssegen blieben viele noch lange zusammen. Es wurde gelacht, erzählt, erinnert, geplant. Man spürte: Dieser Gottesdienst war nicht nur ein Programmpunkt der Kirmes – er war ein Moment echter Verbundenheit. Ein Zeichen dafür, dass Kirche lebendig sein kann, wenn Menschen sie leben. „Für mich war es bewegend zu sehen, wie viele Menschen sich auf diesen Gottesdienst eingelassen haben. Wir haben ihn als Team vorbereitet – aber er wurde erst durch die Menschen im Dorf lebendig“, zog Andrea Sehn-Henn vom Vorbereitungsteam ein positves Fazit.
- Mehr Infos zum lokalen Team Rayerschied gibt es bei Andrea Sehn-Henn unter der Telefonnummer: 06766/8258 oder auf st-lydia.de
