Für die Entstehung der Prozession war der Liedruf von Bedeutung, der zum Eingang der Messe am Sonntag nach dem Festtag vorgesehen war: 'Der Herr ward mein Beschützer; er führte mich heraus ins Weite.' Ebenso der Vers aus dem Lukasevangelium, das an diesem Tag gelesen wurde: 'Das Volk begleitete ihn (Jesus) in großen Scharen (auf dem Weg)' (vgl. Kapitel 14, Vers 25). Entscheidender war jedoch der Bezug zum übergeordneten Osterfestkreis, so dass mit der Prozession die Heimkehr der Gläubigen in das 'Himmlische Jerusalem', das für die Kirche steht, verdeutlicht werden konnte. Schließlich spielt auch die Predigt des Franziskaner-Ordens eine große Rolle. Franz von Assisi beschrieb das Leben als ein ständiges Unterwegssein zu Gott und rief die Gläubigen dazu auf, den Fußspuren Jesu nachzugehen.
Das Besondere an der Prozession ist, dass die geweihte Hostie mitgeführt wird. In ihr ist nach der Glaubenslehre der katholischen Kirche Jesus Christus ganz gegenwärtig. Die Fronleichnamsprozession konnte so für die Gläubigen ein konkret fassbares Ereignis werden: Wie sie in ihrem Leben Christus nachfolgen sollen, folgen sie dem im Brot gegenwärtigen Christus auf dem Weg durch die Welt, um am Ende in das 'Himmlische Jerusalem' zu gelangen. Damit hat die Fronleichnamsprozession aber auch eine große Nähe zum Gehen des Kreuzweges. Wird hier der Leidensweg betont, unterstreicht Fronleichnam von Ostern her die Überwindung von Leid und Tod durch die Auferweckung Jesu. Und ähnlich den Passionsspielen haben szenische Darstellungen der Heilsgeschichte Eingang in die Fronleichnamsprozession gefunden; mancherorts haben sich sogar eigene Fronleichnamsspiele herausgebildet.
Mit der Mitführung der geweihten Hostie eng verbunden ist die Vorstellung, dass Christus seinen Segen auf diese Weise den Menschen unmittelbar zuwenden könne. Vor dem Hintergrund der Eucharistiefrömmigkeit des Mittelalters dürfte dies dem Fest zum 'Durchbruch' verholfen haben. Denn aus der Sorge vor einem unwürdigem Empfang der heiligen Kommunion heraus ging man nur unmittelbar nach der (jährlichen) Beichte zur Kommunion. An die Stelle des Empfangs des Sakramentes im Mahl trat eine Anschauung und Verehrung des aufbewahrten Sakraments in der Brotsgestalt, das in der Prozession gleichsam 'gezeigt' wurde.