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Seit mehr als 250 Jahren im Herzen des Dorfes:Wendelinuskapelle lädt zum Patrozinium ein

sie ist nicht zu übersehen, die Wendelinuskapelle Pleizenhausen mitten im Dorf
Datum:
19. Okt. 2026
Von:
Markus Koch
Die Apsis befindet sich im Süden

Pleizenhausen - Wer durch Pleizenhausen fährt, dem fällt sie sofort ins Auge: Die Wendelinuskapelle mitten im Dorf, unmittelbar an der Kreuzung der beiden Durchgangsstraßen. Seit mehr als 250 Jahren prägt das kleine Gotteshaus das Ortsbild und erzählt zugleich ein Stück Dorf-, Glaubens- und Regionalgeschichte.

Am Samstag, 24. Oktober, wird dort um 18 Uhr das Patrozinium des heiligen Wendelinus gefeiert. Die Kirchengemeinde lädt dazu alle Gläubigen sowie Interessierte herzlich ein.

Vieles über die Entstehungsgeschichte der Kapelle liegt heute im Dunkeln. Sicher ist jedoch, dass sie in einer Zeit errichtet wurde, in der sich die konfessionelle Landschaft im Hunsrück neu ordnete. Nach der Kauber Kirchenteilung von 1706 fiel die damalige Wendelinuskirche in Pleizenhausen den Protestanten zu. Für die katholischen Christen des Dorfes wuchs daher der Wunsch nach einem eigenen Ort für Gebet und Gottesdienst.

Eine Besonderheit der Kapelle fällt dabei erst auf den zweiten Blick auf. Anders als die meisten Kirchen ist die Wendelinuskapelle nicht nach Osten ausgerichtet. Traditionell wurden Kirchen so gebaut, dass die Gläubigen beim Gebet symbolisch der aufgehenden Sonne entgegenblickten. Die Wendelinuskapelle dagegen folgt einer Nord-Süd-Ausrichtung, ihre Apsis liegt im Süden. Vermutlich ließen die örtlichen Gegebenheiten keine andere Bauweise zu. So erzählt selbst die Ausrichtung des Gebäudes von den praktischen Herausforderungen, vor denen die Menschen beim Bau ihres Gotteshauses standen.

Blick von der Kanzel

Der Namenspatron der Kapelle gehörte über Jahrhunderte zu den beliebtesten Heiligen der Region. Der heilige Wendelinus gilt als Schutzpatron der Bauern, Hirten und des Viehs. In einer Zeit, in der das Leben der Menschen unmittelbar von Ernte, Wetter und gesunden Tieren abhing, genoss seine Fürsprache große Bedeutung.

Dass die Wendelinusverehrung in Pleizenhausen einen hohen Stellenwert hatte, zeigt auch ein Blick in die Dorfgeschichte. Früher wurde rund um den Wendelinustag ein bedeutender Viehmarkt abgehalten. Händler, Bauern und Besucher aus der Umgebung kamen ins Dorf, um Tiere zu kaufen und zu verkaufen, Geschäfte abzuschließen und Neuigkeiten auszutauschen. Das Wendelinusfest war damit weit mehr als ein kirchlicher Termin. Es war ein gesellschaftlicher Höhepunkt, der Glauben, Handel und Gemeinschaft miteinander verband.

Heute sind die Viehmärkte verschwunden. Geblieben ist jedoch die Kapelle als sichtbares Zeugnis der Geschichte des Dorfes. Generationen von Menschen haben hier gebetet, Dank gesagt, Sorgen vor Gott getragen und Trost gesucht. Noch immer steht das kleine Gotteshaus an derselben Stelle und erinnert daran, dass Glaube auch in kleinen Orten eine Heimat hat.

Das diesjährige Patrozinium möchte deshalb nicht nur an den heiligen Wendelinus erinnern, sondern auch den Blick auf die besondere Geschichte der Kapelle lenken. Zugleich ist es eine Einladung, darüber nachzudenken, welche Rolle solche Orte des Glaubens künftig für die Dorfgemeinschaft spielen können.

Daher freut sich die kleine Gemeinde vor Ort auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher.

Der Heilige Wendelin - sein Patronat wird am 20. Oktober gefeiert

"Wo einst Bauern und Viehhändler
zusammenkamen,um Handel zu treiben,
versammeln sich heute Menschen,
um Glauben,Geschichte und Gemeinschaft
lebendig zu halten."

Mehr Informationen zur Wendlinuskapelle gibt es bei Heinz Haunert aus Pleizenhausen unter der Rufnummer 06761/6261 sowie auf der Internetseite der Pfarrei Simmern-Rheinböllen St. Lydia unter www.st-lydia.de