Mit Gottes Segen unterwegs

Autogottesdienst in Rheinböllen verbindet Glauben, Gemeinschaft und Fahrzeugsegnung

Rheinböllen. Wo sonst Lastwagen rangieren und Waren ihren Weg durch die Region finden, wurde das Gelände der Spedition Pira am vergangenen Sonntag zu einem besonderen Ort der Begegnung. Erstmals feierte Pater Varun gemeinsam mit zahlreichen Gläubigen einen Autogottesdienst unter freiem Himmel. Autos, Fahrräder und sogar Kinderwagen versammelten sich vor einem Altar, der auf einem LKW aufgebaut und festlich mit Fahnen geschmückt worden war. Für die musikalische Gestaltung sorgte die Band „Inspiration“, die auf einem Anhänger neben dem Altar Platz genommen hatte.
Die Idee zu diesem besonderen Gottesdienst entstand ursprünglich während der Corona-Pandemie. Damals mussten die Menschen Abstand halten, doch der gemeinsame Glaube schuf dennoch Verbundenheit. Diese besondere Form des Gottesdienstes hat bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. So fanden sich auf dem weitläufigen Gelände zahlreiche Gläubige ein, um gemeinsam Eucharistie zu feiern und um Gottes Segen für ihren weiteren Lebensweg zu bitten.

Bereits in seiner Begrüßung griff Pater Varun das Motto des Tages auf: „Mit Gottes Segen unterwegs“. So selbstverständlich uns unsere Fahrzeuge durch den Alltag begleiten, zur Arbeit bringen, die Kinder zur Schule fahren oder in den Urlaub führen, so begleite auch Gott die Menschen auf ihrer Lebensreise.
In seiner Predigt nahm der Geistliche Bezug auf das Evangelium vom Hochzeitsmahl. Viele Menschen seien eingeladen, doch längst nicht alle nähmen die Einladung an. „Gott lädt uns immer wieder ein“, machte Pater Varun deutlich. Jede Heilige Messe sei eine Begegnung mit Jesus Christus und damit eine Einladung, den eigenen Lebensweg bewusst mit Gott zu gestalten.
Dabei zog er eine anschauliche Parallele zwischen einem Fahrzeug und dem menschlichen Leben. Ein Auto benötige regelmäßige Wartung und Inspektion, damit es sicher unterwegs sei. Vernachlässige man diese Pflege, könnten Schäden entstehen. Ähnlich verhalte es sich mit dem Menschen. Auch die Seele brauche Aufmerksamkeit und Pflege.
„So wie abgefahrene Reifen ersetzt werden müssen, sollten wir schlechte Gewohnheiten ablegen“, erklärte Pater Varun. Und wie ein Motor frisches Öl benötige, brauche auch der Mensch immer wieder neue Kraft durch den Heiligen Geist. Liebe, Rücksichtnahme und Mitmenschlichkeit seien dabei wichtige Wegweiser. Gott erwarte keine Perfektion, wohl aber die Bereitschaft, achtsam mit anderen umzugehen. Im Straßenverkehr wie im Leben gelte: Rücksicht ist besser als Egoismus.

Besonders eindrucksvoll wurde die Symbolik beim anschließenden Fahrzeugsegen. Dabei bat die Gemeinde nicht nur um Schutz und Sicherheit auf allen Wegen, sondern auch um Gottes Segen für alle Menschen, denen man unterwegs begegnet. Gesegnet wurden nicht nur Autos, sondern ebenso Fahrräder und Kinderwagen – alles, was Menschen im Alltag auf Rädern begleitet.
Zum Abschluss bedankte sich Pater Varun herzlich bei allen Beteiligten. Sein Dank galt insbesondere der Spedition Pira für die Bereitstellung des weitläufigen Geländes, dem Lokalen Team Rheinböllen für die Organisation, den Küsterinnen um Heike Feldenz für die liebevolle Gestaltung des Altar-LKWs, der Band „Inspiration“ für die musikalische Begleitung sowie den Messdienerinnen und Messdienern für ihren Dienst.
Die Gottesdienstbesucher honorierten dies auf ganz besondere Weise. Statt eines klassischen Applauses erklang ein vielstimmiges Hupkonzert über das gesamte Gelände – ein ungewöhnlicher, aber herzlicher Beifall, der bei allen Beteiligten für strahlende Gesichter sorgte.
Auch Pater Varun zeigte sich nach der Feier begeistert: „Für mich war es als Zelebrant eine etwas andere Erfahrung. Aber es war ein gutes Gefühl, die Heilige Messe auf diese Weise zu feiern. Ich denke, dass wir ein solches Format auch künftig wieder anbieten werden.“
So wurde der erste Autogottesdienst in Rheinböllen nicht nur zu einer besonderen Glaubensfeier, sondern auch zu einem lebendigen Zeichen dafür, dass Kirche Menschen dort erreichen kann, wo sie unterwegs sind – mitten im Leben und mit Gottes Segen auf allen Wegen.
