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Weihbischof Brahm feiert Abschluss der Visitation in Rheinböllen:Erntedank als Einladung und Auftrag

v.l.n.r, Pater Varun Raj Pushparajay, Diakon Harald Braun, WB Brahm, Dekan Lutz Schultz
Datum:
8. Okt. 2026
Von:
Markus Koch
jeder ist eingeladen - am Tisch des Herrn haben alle Platz

Rheinböllen:  Erntedank ist mehr als der Blick auf volle Körbe und reich gedeckte Tische. Es ist der Moment, innezuhalten, Danke zu sagen und sich bewusst zu machen, dass vieles in unserem Leben eben nicht selbstverständlich ist. Genau diese Botschaft prägte die feierliche Erntedankmesse in der Pfarrkirche St. Erasmus Rheinböllen, die zugleich den Abschluss der Visitation durch Weihbischof Robert Brahm bildete.

Schon beim Betreten der Kirche fiel eine besondere Erntedankdekoration ins Auge. Statt die Erntegaben traditionell vor dem Altar aufzubauen, hatten die Küsterinnen Heike Feldenz und Brigitta Pira die Früchte der Erde an einem gedeckten Tisch arrangiert. Daneben standen mehrere freie Stühle. Ein starkes Bild: An Gottes Tisch ist Platz für alle. Niemand ist ausgeschlossen, jeder ist eingeladen, Platz zu nehmen, Gemeinschaft zu erfahren und dankbar auf die Gaben der Schöpfung zu blicken.

v.l.n.r, Pater Varun Raj Pushparajay, Diakon Harald Braun, WB Brahm, Dekan Lutz Schultz

Gemeinsam mit Weihbischof Robert Brahm feierten Dekan Lutz Schultz, Pater Varun und Diakon Harald Braun den Gottesdienst. Die Lesungen übernahm Kerstin Sonnet-Reischl, während Bernd Loch die Orgel spielte. Musikalisch wurde die Liturgie vom Kirchenchor Rheinböllen unter der Leitung von Christine Scheffler festlich gestaltet. Die Gemeindereferentinnen Alina Schieferstein und Daria Thoi brachten sich bei den Fürbitten ein.

In seiner Begrüßung nahm Dekan Lutz Schultz unmittelbar Bezug auf den Sinn des Erntedankfestes. Dankbar zu sein bedeute nicht nur, auf die Früchte der Erde zu schauen. Es gehe ebenso um die Menschen, die dafür arbeiten, um Lebensmittel zu erzeugen, und um die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung.

Weihbischof Brahm bei seiner Predigt

Weihbischof Brahm knüpfte in seiner Predigt an das Evangelium von der Speisung der Fünftausend an. Fünf Brote und zwei Fische seien genug gewesen, damit alle satt wurden. Diese biblische Erzählung stelle auch heute Fragen an unsere Gesellschaft. Zwar scheine in unserer Welt vieles jederzeit verfügbar zu sein, doch dabei gerate leicht aus dem Blick, welchen Weg Lebensmittel hinter sich haben und wie viel Arbeit in ihnen steckt.

Der Weihbischof erinnerte daran, dass die Güter der Erde weltweit noch immer ungerecht verteilt seien. Mit Blick auf den Lesungstext aus dem Buch Jesaja fragte er nach den „Unterjochten“ unserer Zeit. Leben die Menschen, die unsere Lebensmittel produzieren, von ihrer Arbeit? Werden Bauern und Winzer gerecht entlohnt? Gleichzeitig seien auch Verbraucherinnen und Verbraucher gefordert, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Verzicht könne dabei durchaus ein Luxus sein, sagte Brahm. Während an vielen Orten Lebensmittel verderben oder weggeworfen werden, litten anderswo Menschen Hunger. Auch die intensive Tierhaltung habe weitreichende Folgen für den Flächenverbrauch und das Klima. Deshalb brauche es eine nachhaltige Landwirtschaft und einen achtsamen Umgang mit den Ressourcen der Erde. Die Schöpfung müsse als Ganzes in den Blick genommen werden.

Die zentrale Botschaft des Evangeliums brachte er auf einen einfachen Nenner: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Darin liege ein klarer Auftrag an die Christinnen und Christen. Es gehe darum, Verantwortung zu übernehmen, die Not anderer wahrzunehmen und solidarisch zu handeln.

Ebenso eindringlich war seine Einladung zu einer Kultur der Dankbarkeit. „Eucharistie“ bedeute Danksagung. Mehr Danke zu sagen und aufmerksamer für die vielen Geschenke des Lebens zu werden, sei eine Haltung, die das tägliche Leben verändern könne.

Weihbischof Brahm beim Schlusssegen Erntedankmesse

Besonders bewegend war eine Fürbitte für den an Krebs erkrankten Manuel. Zugleich wurde die Gemeinde eingeladen, sich als mögliche Knochenmarkspenderinnen und -spender registrieren zu lassen, um Hoffnung auf eine lebensrettende Spende zu schenken.

In seinen Dankesworten griff Dekan Schultz nochmals die besondere Erntedankdekoration auf. Die freien Stühle seien ein sichtbares Zeichen der Einladung. Sie erinnern daran, dass Gottes Tisch für alle gedeckt ist und dass Dankbarkeit immer auch Gemeinschaft stiftet.

Der Weihbischof im Anschluss an dem Gespräch mit dem Pfarrgemeinderat St. Lydia

Zugleich dankte er Weihbischof Robert Brahm für die Tage der Visitation. Die Begegnungen mit Haupt- und Ehrenamtlichen hätten viele Menschen gestärkt und ermutigt. In Gesprächen mit den Gremien der Pfarrei habe der Weihbischof großes Interesse an dem gezeigt, was vor Ort in der Pfarrei St. Lydia gelebt, gestaltet und entwickelt wird.

So verband sich an diesem Erntedankfest die Freude über die Gaben der Schöpfung mit einem wichtigen Auftrag: dankbar leben, bewusst handeln und den Platz am Tisch Gottes nicht nur für sich selbst, sondern für alle Menschen freihalten.

Bildergalerie Erntedank 2026

4 Bilder

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