Zum Inhalt springen

Einwurf von Markus Koch zum kommenden Erntedankfest:Erntedank – Ernteklage!?

Ein trockener Bach ist mehr als ein Bild der Trockenheit. Er ist ein Moment, der uns innehalten und neu hinschauen lässt.
der Simmerbach ohne Wasser hat viel mit unserem Erntedankfest zu tun!
Datum:
23. Sept. 2026
Von:
Markus Koch
ohne Wasser präsentierte sich der Simmerbach noch im August

Liebe Mitchristen,

Der Simmerbach gehört zu unserer Pfarrei wie die Wege, die wir täglich gehen, und die Felder, die unsere Landschaft prägen. Viele von uns kennen ihn seit Jahren als stillen Begleiter, als vertrauten Ort, an dem man kurz stehenbleibt oder einfach vorbeigeht. In diesem Jahr aber zeigt er uns ein anderes Bild. Das Bachbett liegt trocken, der Boden ist hart, und das Wasser, das sonst leise und unscheinbar fließt, ist verschwunden. Wer dort steht, spürt, dass dieser Anblick uns unmittelbar betrifft. Er macht deutlich, wie eng unser Leben mit Gottes Schöpfung verbunden ist.

Die heißen Tage dieses Sommers haben uns alle erreicht – in den Gärten, auf den Feldern, beim Blick aus dem Fenster. Pflanzen kämpfen ums Überleben, die Erde reißt auf, und selbst robuste Kulturen zeigen Spuren der Trockenheit. Viele Gespräche in der Nachbarschaft drehen sich um die Hitze, um ausbleibenden Regen, um die Frage, wie es weitergeht. Der Klimawandel ist kein fernes Thema mehr. Er zeigt sich hier, mitten in unserem Alltag, mitten im Hunsrück.

In diese Zeit fällt Erntedank. Ein Fest, das uns jedes Jahr daran erinnert, dass wir empfangen. Dass wir nicht alles machen können, sondern vieles geschenkt bekommen. In diesem Jahr spüren wir das besonders. Erntedank ist nicht nur der Blick auf das, was gewachsen ist, sondern auch auf das, was uns trägt – selbst dann, wenn es weniger geworden ist. Der trockene Simmerbach führt uns vor Augen, wie verletzlich die Grundlagen unseres Lebens sind. Und zugleich erinnert er uns daran, wie viel uns dennoch anvertraut ist.

Als Gemeinde erleben wir diese Veränderungen gemeinsam. Wir teilen Sorgen, Beobachtungen und Hoffnungen. Wir sehen, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind – beim Blick auf die Natur, beim Umgang mit Ressourcen, im täglichen Miteinander. Erntedank lädt uns ein, nicht nur dankbar zu sein, sondern auch aufmerksam. Es erinnert uns daran, dass Dankbarkeit und Verantwortung zusammengehören. Dass wir die Schöpfung nicht nur nutzen, sondern schützen sollen. Und dass wir im Kleinen beginnen können: im eigenen Haushalt, im Garten, im Umgang miteinander.

Vielleicht ist der trockene Simmerbach in diesem Jahr ein geistlicher Impuls für uns als Gemeinde. Ein Zeichen, das uns anhält und uns neu sehen lässt, was uns trägt. Ein Hinweis darauf, dass wir nicht nur auf das schauen sollen, was fehlt, sondern auf das, was bleibt – und auf das, was wir gemeinsam bewahren können.

Am Ende dieses Nachdenkens steht ein Wort, das uns Hoffnung gibt – gerade in Zeiten der Trockenheit:

„Wer an mich glaubt – aus dessen Innerem werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.“ (Johannes 7,38)

Dieses Wort erinnert uns daran, dass wir Verantwortung für unser Handeln tragen – und zugleich darauf vertrauen dürfen, dass Gott uns mit seinem lebendigen Wasser stärkt und begleitet. Es zeigt uns, dass Hoffnung wachsen kann, wo wir aufmerksam und dankbar leben. Und vielleicht hilft uns dieser Blick, Erntedank in diesem Jahr als Pfarrei St. Lydia mit neuer Tiefe zu feiern.

Markus Koch

 

Liebe Gemeindemitglieder, 

die Gedanken von Markus Koch machen nachdenklich. Die Mutter Erde beschenkt uns. Wir haben allen Grund, dankbar zu sein für das „tägliche Brot“, das wir so reichhaltig genießen dürfen. Aber schöne Bilder, Gefühle und Worte reichen nicht. 

Zur Dankbarkeit gehört auch die Verantwortung. Die Schöpfung ist uns vom Schöpfer geschenkt, dass wir sie bewahren. Die Schöpfung ist stark. Aber sie ist auch zerbrechlich, wenn wir sie nicht beschützen. 

Dieses Jahr war der Erdüberlastungstag am 30. Juli. Der Tag steht symbolisch für den Zeitpunkt, an dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen des Jahres verbraucht hat. „Würde der Rest der Welt so leben wie wir, wäre die Menschheit bereits am 10. Mai ökologisch pleite und der Tag der Erdüberlastung erreicht.“  (www.br.de) Wir leben also seit August auf Pump. Dankbarkeit und Verantwortung sähen anders aus. 

Das Motto der diesjährigen ökumenischen Schöpfungszeit bringt es biblisch auf den Punkt:

„Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“ (Hiob 38,18)

Es ist höchste Zeit umzukehren – politisch, aber auch persönlich. 
Wenn wir erkennen, wie weit die Erde ist, müssen wir auch Konsequenzen daraus ziehen. Jeder kann und muss bei sich selbst anfangen, bewusster und nachhaltiger zu leben. Wir haben nur eine Erde. 
Ich wünsche uns ein schönes, dankbares, aber auch ehrliches Erntedankfest. 

Ihr Pastor Lutz Schultz