Hoffnung auf dem Weg

Emmausgang 2026 in Benzweiler verbindet biblische Geschichten mit aktuellen Herausforderungen
Benzweiler – Rund um das Gemeindehaus und die Wege des Dorfes machten sich am Ostermontag bei sonnigem Frühlingswetter rund 40 Gläubige auf den traditionellen Emmausgang der Pfarrei Simmern-Rheinböllen St. Lydia. Eingeladen hierzu hatte das lokale Team Rayerschied In diesem Jahr stand der Weg unter dem Leitwort „Wir aber hatten gehofft…“ – ein Satz, der die Jünger auf dem Weg nach Emmaus prägte und heute ebenso aktuell klingt wie damals.
„Wir wollten dieses Jahr bewusst die Brücke schlagen zwischen den uralten Texten und den Fragen, die uns heute bewegen“, betonte Angelika Dötsch eine der Mitwirkenden am Beginn des Weges. „Hoffnung ist kein romantisches Gefühl, sondern eine Kraft, die wir gerade in Krisenzeiten brauchen.“
An fünf Stationen wurden biblische Texte lebendig, verbunden mit Impulsen, die die Teilnehmenden mitten in die Fragen unserer Zeit führten: Wie gehen wir mit Enttäuschungen um? Wo bleibt Hoffnung, wenn Weltlage, Kirche oder persönliches Leben brüchig werden? Und wie kann Glaube Orientierung geben, wenn Sicherheiten schwinden?

Am Gemeindehaus eröffnete die Erzählung aus dem Lukasevangelium den Weg. Die Jünger, die „gehofft hatten“, Israel würde befreit, erkennen den Auferstandenen nicht – gefangen in ihren Erwartungen. „Wir alle kennen diese Momente, in denen unsere Vorstellungen so laut sind, dass wir das Wesentliche nicht mehr sehen“, hieß es im Impuls. „Manchmal geht Gott mit uns – und wir merken es nicht.“

Auf dem Friedhof erzählte die Geschichte von Rut und Noomi von Treue, Mut und der Kraft kleiner Schritte. „Gott wirkt oft nicht im Donner, sondern im Alltäglichen – in der Treue eines Menschen, der bleibt“, erklärte Andrea Sehn-Henn.
Die Teilnehmenden wurden eingeladen, auch in bitteren Zeiten auf Gottes leises Wirken zu vertrauen.

Die dramatische Geschichte der Judith wurde von Ulrike Nerkamp mit aktuellen Konflikten verknüpft. „Wir leben in einer Welt, in der Menschen wieder belagert werden – durch Krieg, Angst und Ohnmacht“, unter anderem denken wir an den Krieg in der Ukraine, betonte Nerkamp.
Judiths Mut, sich nicht von Verzweiflung lähmen zu lassen, wurde zum Bild dafür, dass Hoffnung manchmal durch entschlossenes Handeln wächst – und durch das Vertrauen, dass Gott nicht erpresst, sondern erbeten wird.

Am Weg nach Damaskus wurde Paulus’ Bekehrung zur Deutung für unsere Zeit: Viele Hoffnungen an Kirche und Gesellschaft tragen nicht mehr. Gewohnte Wege enden. „Unsere Kirche steht an einem Damaskusmoment“, sagte Markus Koch, der diese Station gestaltete. „Wir wissen nicht genau, wie es weitergeht – aber wir spüren, dass Gott uns trotzdem ruft.“
Der Impulstext sprach von einer Verkündigung, die aus Verletzlichkeit statt aus Macht lebt.

Zurück am Gemeindehaus schloss der Weg mit der Emmaus-Erzählung vom Brotbrechen. Erst im gemeinsamen Mahl erkennen die Jünger Jesus – ein starkes Zeichen für die Kraft der Gemeinschaft. „Wir müssen Gott nicht begreifen, um ihm zu begegnen“, hieß es in der Auslegung. „Manchmal reicht es, das Brot zu teilen – und plötzlich gehen uns die Augen auf.“
Der Emmausgang 2026 zeigte eindrücklich, wie biblische Geschichten in die Gegenwart sprechen: in eine Welt voller Unsicherheiten, in der Menschen nach Halt suchen; in eine Kirche im Wandel; in persönliche Lebenswege, die nicht immer gerade verlaufen.
„Ostern ist kein Happy End, sondern ein Aufbruch“, fasste eine Teilnehmerin zusammen. „Dieser Weg hat uns daran erinnert, dass Hoffnung nicht naiv ist – sondern notwendig.“
Der abschließende Segen stellte die Teilnehmenden unter den österlichen Frieden und die Zusage, dass der Auferstandene mitgeht – auch auf Wegen, die wir uns anders gewünscht hätten.
Abgeschlossen wurde der Emmausgang traditionell bei Eierlikör und Ostereiern. Zum Abschluss zogen die Veranstalter ein positives Fazit: „Wir sind sehr dankbar, dass viele Teilnehmer unserer Einladung gefolgt sind, Dies ist eine große Motivation für uns, im nächsten Jahr wieder den Emmausgang anzubieten, damit der Glaube auch in den kleineren Orten lebendig bleibt“, so Andrea Sehn-Henn vom Vorbereitungsteam.
- Mehr Infos zum lokalen Team Rayerschied gibt es bei Andrea Sehn-Henn unter der Telefonnummer: 06766/8258 oder auf st-lydia.de
