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Eröffnung der KonRADWEG-Kapelle in Külz

Diakon Franz Jahn sorgt für offene Türen bei der neuen KonRADWEG-Kirche in Külz
Datum:
12. Apr. 2026
Von:
Markus Koch

Ein Ort mit schwerer Vergangenheit und neuer Offenheit

Gedenktafel der gefallenen Soldaten im zweiten Weltkrieg in der Kapelle in Külz

Külz     Eigentlich ist es eher ein unscheinbares Gebäude, die Kapelle St. Konrad von Parzham an der Hauptstraße in Külz gelegen. Sicherlich sind schon viele achtlos an dieser kleinen Kapelle vorbeigefahren und es war Ihnen nicht bewusst, dass dieses weiß getünchte Haus eigentlich eine kleine Kirche ist. Doch in den vergangenen Wochen hat sich einiges getan, dass es als Gotteshaus eher wahrgenommen wird. Ein großes Holzkreuz schmückt die angrenzende Wiese und ein grünfarbiges Logo schmückt die Außenwand. Freundlich wirkt es – nicht aufdringlich aber mit einer offenen Tür, als wolle es sagen: „Hier darfst du ankommen.“

Was als KonRADWEGKapelle am Schinderhannes-Radweg neu eröffnet wird, hat eine Geschichte, die kaum widersprüchlicher sein könnte. 1938 errichtete die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) hier einen Musterkindergarten, der als Vorzeigeeinrichtung nationalsozialistischer Kleinkindererziehung dienen sollte. Ein Ort, an dem Kinder nicht geborgen aufwachsen, sondern ideologisch geformt werden sollten.

Bischof Mathias Wehr besucht die Kapelle in Külz 1955

Nach dem Krieg suchte die katholische Bevölkerung von Külz nach einem neuen Sinn für das Gebäude. 1945 wurde es – finanziert durch Spenden – zur Kapelle umgewidmet und dem heiligen Konrad von Parzham geweiht. Doch die Umnutzung führte zu Spannungen zwischen katholischen und evangelischen Dorfbewohnern, die sich übergangen fühlten und andere Nutzungen bevorzugt hätten. Die Militärregierung erklärte den Kauf zunächst für nichtig, erst 1950 konnte die Kirchengemeinde das Gebäude endgültig erwerben.

So wurde aus einem Ort der Indoktrination ein Ort des Gebets – und zugleich ein Mahnmal. Die Kapelle erinnert bis heute an die Opfer des Krieges, an die Verführbarkeit von Gesellschaften und an die Notwendigkeit von Vertrauen und Ökumene. In alten Unterlagen taucht immer wieder der Begriff „Kriegsgedächtniskirche“ auf. Die Kapelle sollte ein Ort gegen das Vergessen sein. Und sie ist es geblieben.

Ein neuer Schritt: Kirche dort, wo Menschen unterwegs sind

Der Heilige Konrad von Parzham in der Kapelle in Külz

2023 wurde die Kapelle zur Winterkirche im Biebertal, denn die sehr große Kirche St. Johannes der Täufer in Biebern, ist schwer zu heizen und damit sehr kostenintensiv. Doch ihre Lage direkt am Schinderhannes-Radweg ließ eine neue Idee entstehen: ein Ort, der Radfahrende empfängt – mit offenen Türen, spirituellen Impulsen und praktischer Hilfe.

Diese Idee haben Pia und Diakon Franz Jahn aufgegriffen, die 2025 in den Hunsrück zurückkehren und ihr neues Zuhause direkt neben der Kapelle bauen. „Die Geschichte dieses Gebäudes ist eine Geschichte der Wandlung“, sagt Franz Jahn. „Dass es jetzt ein Ort wird, an dem Menschen auftanken können – das ist ein starkes Zeichen.“

Große Zustimmung und Unterstützung erwartete die beiden durch die Gremien der Pfarrei St. Lydia: „Wir haben sehr viele Immobilien in unserer Pfarrei. Oft werden diese alten Gebäude kaum oder nur noch sehr unregelmäßig genutzt. Damit diese Kirchen und Kapellen überhaupt noch eine Zukunft haben, müssen Konzepte entwickelt werden über die Nutzung von traditionellen Gottesdiensten hinaus, damit Kirche wieder lebendig wird und im Dorf bleibt. Deshalb haben wir dieses Projekt begeistert unterstützt“ so Markus Koch vom Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Lydia.

Diakon Franz Jahn mit Fahrrad bei dem neuen Holzkreuz vor der KonRADWEG-Kirche

In den vergangenen Wochen hat sich einiges getan auch im Umfeld der Kapelle. So schmückt ein imposantes Holzkreuz die angrenzende Grünfläche des kleinen Gotteshauses das von Matthias Lisch aus Kappel angefertigt wurde.

Liesch selbst ist Vorsitzender des Pfarrgemeinderates der Pfarrei St. Michael Kirchberg und Mitglied im Rat des pastoralen Raumes Simmern: „Durch seine Mithilfe wird deutlich, dass die KonRADWEG-Kapelle nicht nur ein Projekt der Pfarrei Simmern-Rheinböllen St. Lydia ist, sondern eine zukünftige Handlungsweise der Kirche im Hunsrück zeigen soll – Offen, Einladend, Innovativ! „, betont Dekan Lutz Schultz.

Im Inneren erwartet Besucherinnen und Besucher eine Dauerausstellung, die Fahrradgeschichte und Spiritualität miteinander verknüpft. Sie erzählt von der 200-jährigen Entwicklung des Fahrrads, von seiner Rolle in der Frauenbewegung und von Persönlichkeiten wie Gino Bartali, dem italienischen Radprofi, der im Zweiten Weltkrieg jüdischen Familien das Leben rettete, in dem er gefälschte Ausweispapiere im Rahmen seines Fahrrads schmuggelte, Roll-Ups und Videoimpulse machen die Kapelle zu einem Ort, der informiert, berührt und inspiriert.

Draußen laden Bänke zum Verweilen ein. Eine Luftpumpe, Werkzeug und die Möglichkeit den Akku des E-Bikes aufzuladen, stehen bereit. Regelmäßige „WegZeit“-Gottesdienste, spirituelle Radtouren und Zeit der Begegnung (Maje am Kappelsche) sollen das Angebot im Jahreslauf ergänzen.

Einladung und Ausblick

Die Pfarrei St. Lydia und das Team der KonRADWEGKapelle laden zur feierlichen Eröffnung ein am Sonntag, 26.04.2026 um 15.00 Uhr in der Kapelle St. Konrad von Parzham (KonRADWEG-Kapelle). Neben einer Andacht gibt es eine kleine Führung durch die Ausstellung und durch die Kapelle, sowie ein gemütliches Beisammensein im Anschluss an den Gottesdienst.

Vom NSV-Kindergarten zur Kapelle, vom Streitobjekt zum ökumenischen Zeichen, von der Winterkirche zur Radwegkapelle: Die Geschichte dieses Gebäudes ist eine Geschichte der Wandlung – und mit der Eröffnung der KonRADWEGKapelle beginnt ein neues Kapitel.

Ein Kapitel, das Hoffnung macht.

  • Mehr Informationen zur KonRADWEG-Kapelle gibt es bei Diakon Franz Jahn unter der Mobil-Nr.: 0178/1008433 oder auf der Homepage der Pfarrei St. Lydia. www.st-lydia.de

 

mehr Infos gibt es bei:

Franz Jahn Franz Jahn

Franz Jahn

Diakon

Ansprechpartner KonRADWEG-Kapelle Külz