Bunt gefeiert und fest verwurzelt

traditioneller Fastnachtsgottesdienst in der Josefskirche Simmern begeisterte wieder viele Narren

Simmern – Unter dem Motto „Zur Abwechslung bunt“ hat die Pfarrei St. Lydia am 15. Februar 2026 zu einem Fastnachtsgottesdienst eingeladen, der die Josefskirche mit Farbe, Musik und echter Lebensfreude erfüllte. Was für manche ungewöhnlich wirken mag, steht in einer langen kirchlichen Tradition, in der Freude, Humor und kulturelle Ausdrucksformen ihren Platz haben.
Der Karnevalsverein Simmern (KVS), das Prinzenpaar, der Sing‑Kreis St. Josef und auch eine Showtanzgruppe des KVS gestalteten die Feier mit. Ihr Tanz war kein „Programmpunkt“, sondern ein Ausdruck dessen, was in vielen Teilen der Welt selbstverständlich ist: dass der Körper mitbetet. In zahlreichen katholischen Gemeinden Afrikas gehört Tanz seit jeher zur Liturgie – als Zeichen der Dankbarkeit, der Gemeinschaft und der Freude am Glauben.
Fastnacht in der Kirche – älter, als man denkt

Fastnachtsgottesdienste sind keineswegs eine moderne Idee. In Köln hat die Kölsche Mess seit Jahrzehnten ihren festen Platz im kirchlichen Leben. Und in der schwäbisch‑alemannischen Fastnacht gehören Narrenmessen selbstverständlich dazu – immer getragen von Respekt vor der Liturgie und dem Wunsch, Gott mit den eigenen kulturellen Ausdrucksformen zu loben.
Auch in Simmern blieb die Feier klar erkennbar ein Gottesdienst: mit Gebet, Schriftlesungen, Predigt, wenn auch gereimt, und Segen. Die fröhlichen Elemente – Musik, Tanz, Kostüme – dienten nicht der Belustigung, sondern der Einladung, den Glauben mit dem ganzen Leben zu feiern.
Ein Gottesdienst für die ganze Gemeinde

Viele Besucherinnen und Besucher kamen kostümiert in die Josefskirche – Clowns, Marienkäfer, Cowboys, Funkenmariechen, kleine Superhelden und manche einfach mit einer roten Nase. Die Vielfalt der Kostüme spiegelte die Vielfalt der Gemeinde wieder: Familien mit Kindern, ältere Menschen, langjährige Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, Neugierige, die zum ersten Mal einen Fastnachtsgottesdienst miterlebten.
Spürbar war vor allem eines: Die Freude, gemeinsam zu feiern. Nicht das Kostüm stand im Mittelpunkt, sondern das Miteinander. Menschen, die sich sonst vielleicht nur flüchtig im Alltag begegnen, rückten an diesem Morgen näher zusammen – beim Schunkeln, beim Singen, beim Lachen und im gemeinsamen Gebet.
So wurde deutlich, dass ein solcher Gottesdienst nicht nur bunt ist, sondern auch verbindend wirkt: Er öffnet Türen, senkt Schwellen und zeigt, wie lebendig Gemeinde sein kann, wenn alle ihren Platz finden – ob verkleidet oder nicht.
Glaube, der verbindet – auch in bunten Zeiten

St. Lydia zeigt mit diesem Gottesdienst, dass christliche Freude viele Ausdrucksformen kennt. Tanz, Musik und Humor widersprechen der Würde des Gottesdienstes nicht – sie gehören seit Jahrhunderten zur weltweiten Kirche.
So wurde die Messe zu einem lebendigen Zeichen dafür, dass Glaube und Frohsinn sich nicht ausschließen, sondern einander bereichern.
Für alle, die es lieber ruhiger mögen

Natürlich muss man solche Fastnachtsgottesdienste nicht mögen. Nicht jede Form spricht jeden Menschen an – und das ist völlig in Ordnung. St. Lydia hat auch an den "tollen" Tagen viele Gottesdienste im gewohnten Format gefeiert.
Wer es also lieber traditionell, besinnlich oder schlicht mag, findet weiterhin viele Gelegenheiten, den Glauben auf vertraute Weise zu feiern. Und spätestens am Aschermittwoch, wenn die Fastenzeit beginnt, kehrt ohnehin wieder die gewohnte Ruhe ein. Dann ist – ganz im Sinne der alten Tradition – „alles vorbei“, und der Blick richtet sich neu auf die österliche Vorbereitung.
