© Manfred Bauer
Pfarrkirche St. Erasmus Rheinböllen

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Wenn man heute die neugotische Kirche von Rheinböllen betritt, ahnt man kaum, wie viele Schichten von Geschichte unter ihren Gewölben liegen. Doch alles beginnt viel früher – in einer Zeit, in der die katholischen Rheinböllener noch keinen eigenen sakralen Raum hatten.
Ein Anfang im Schatten der Reformation
Nach der Reformation mussten die Katholiken des Ortes ihren Glauben in der Pfarrei Schnorbach leben. Rheinböllen selbst blieb ohne eigene Kirche – bis das Simultaneum im Jahr 1710 aufgehoben wurde. Plötzlich öffnete sich ein Fenster der Möglichkeiten. Die Gemeinde zögerte nicht lange: Eine kleine, provisorische Kapelle entstand, unscheinbar vielleicht, aber getragen von dem Wunsch, endlich wieder einen eigenen Ort des Gebets zu haben.
Die erste Kirche – ein Schritt in die Selbstständigkeit
Die Gemeinde wuchs, und mit ihr der Wunsch nach einer richtigen Kirche. Als 1775 eine neue Pfarrei gegründet wurde – mit den umliegenden Orten Mörschbach, Erbach, Dichtelbach und Kleinweidelbach – war der Moment gekommen. Zwischen 1775 und 1777 erhob sich ein schlichtes, saalförmiges Gotteshaus. 56 mal 32 Fuß maß es, mit einer Flachdecke und Emporen, und einem Chor, der wohl noch romanische Züge trug. 1841 erhielt die Kirche einen neuromanischen Westturm – ein Zeichen dafür, dass die Gemeinde weiter wuchs und sich entwickelte.
Doch die Zeit blieb nicht stehen. Die Bedürfnisse der Menschen änderten sich, und die alte Kirche wurde zu klein, zu eng, zu bescheiden für eine lebendige Pfarrei.
Der große Neubau – ein Aufbruch in die Neugotik
In den Jahren 1870 bis 1872 wagte Rheinböllen einen großen Schritt: den Bau der heutigen Kirche. Der Kreisbaumeister Sasse aus Simmern entwarf ein Gebäude, das dem Selbstbewusstsein der Gemeinde Ausdruck verlieh – eine dreischiffige neugotische Hallenkirche mit einem markanten Fassadenturm.
Unverputzte Ziegel über einem Bruchsteinsockel gaben dem Bau eine kraftvolle, fast handwerkliche Ehrlichkeit. Innen spannten sich Kreuzrippengewölbe über achteckigen Pfeilern, die den Raum weit und hell wirken ließen. Alles war neu – und doch so gestaltet, dass es sich wie selbstverständlich in die Tradition einfügte.
Die Hunsrücker Zeitung schreibt hierzu:
Rheinböllen, den 20. November 1872: Gestern wurde dahier durch den Herrn Dechanten Feit aus Simmern die neuerbaute katholische Kirche, ein Prachtbau und eine Zierde des Hunsrückens, einge-segnet und dem Gottesdienste übergeben. Der Einsegnung folgte ein feierliches Hochamt mit Festpredigt und Te Deum.
Hierauf versammelte ein Gastmahl die Bauunternehmer Gebrüder Keim aus Simmern und Marling aus Dörrebach, sowie die übrigen Festtheilnehmer im katholischen Pfarrhause. Nachdem der Herr Bürgermeister Laymann einen Toast auf Seine Majestät den Kaiser und der Herr Dechant Feit auf Seine Heiligkeit den Papst Pius IX. ausgebracht und sodann von den verschiedenen Anwesenden aller Derer gedacht worden war, die zum Werden des schönen Werkes ihr Scherflein beigetragen hatten, blieb die Gesellschaft zur Feier des Tages in heiterster Stimmung noch lange bei Wein und Gesang versammelt.
Quelle: Hunsrückarchiv Simmern, Hunsrücker-Zeitung 26. November 1872 (Originaltext)
Ausstattung mit Seele – und ein Schatz aus Glas
Der linke Seitenaltar ist dem Patron der Kirche, dem Heiligen Erasmus, Bischof von Gaeta in Italien, geweiht.
Der Hochaltar von 1872 ist Christus geweiht, der im rückwärtigen Fenster als Gekreuzigter erscheint.
Auffallend sind die Heiligenfiguren an den Längsseiten der Kirche.
Auf der rechten Seite (Männerseite) befinden sich männliche Heilige: Aloisius von Gonzaga für die Jugend und Petrus Kanisius mit Schüler und aufgeschlagenem Katechismus für die erwachsenen Männer.
Auf der linken Seite (Frauenseite) die Figuren von der jugendlichen Theresia von Lisieux, Hildegard von Bingen und der alten Anna. Bei der früheren strengen Sitzordnung nach Geschlecht, Alter und Stand wurde so jedem der passende Heilige zugeordnet.
Das Orgelwerk wurde 1874 in der Werkstatt des Orgelbauers Hünd in Linz/Rhein gebaut.
Das mechanische Uhrwerk von 1886 (Fa. Manhardt, München) ist noch erhalten, heute jedoch außer Betrieb.
Die wertvollste Ausstattung ist die Verglasung aus den Jahren 1895 - 1898.
Die Chorfenster wurden von Dechant Sellen (1873 - 1915 Dechant in Rheinböllen) gestiftet und zeigen figürliche Darstellungen der Heiligen der Filalkirchen.
Die Fenster im Schiff sind Geschenke der Familie Puricelli und zeigen Bilder aus dem Leben Jesu und Mariens.
Die Feinheiten der Ausführungen wird im Blick auf ein beliebiges Detail wie Gesichter, Gewänder oder Farben deutlich. Auch die Menge und Größe der Fenster ist beeindruckend.
Zusammenfassend kann man sagen, das die 1982 -1985 renovierte Rheinböllener Pfarrkirche St. Erasmus ein schönes Beispiel für eine komplett erhaltene neugotische Kirche darstellt.
Die Orgel – Klang aus dem 19. Jahrhundert
1874 erhielt die Kirche ihre Orgel, gebaut von der Werkstatt Hünd in Linz am Rhein. Ihr Klang begleitet seitdem Generationen von Rheinböllenern – bei Festen, in Trauer, in stillen Momenten und in Zeiten großer Freude.
So steht die Kirche heute da: als Bauwerk aus Ziegeln und Stein, aber zugleich als lebendige Chronik einer Gemeinde, die über Jahrhunderte hinweg ihren Glauben, ihre Hoffnungen und ihre Geschichte in diesen Raum hineingetragen hat.
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